Als ich jünger war und der Kinderwunsch zwar da war, aber nicht so präsent, sondern eher dieses "Irgendwann möchte ich Kinder... gerne so mit 25, wenn alles passt", wollte ich nicht stillen. Das hatte nicht wirklich einen besonderen Grund, ich wurde einfach nie damit konfrontiert, weil ich meiner Familie nie wer gestillt wurde. Und trotzdem haben wir keine Allergien, Kinderkrankheiten oder sonst was gehabt und sind alle groß und stark geworden ;) In der Familie meines Mannes ist es genau andersrum - dort wurden alle Kinder gestillt und es war ihm somit auch wichtig, dass unser Kind irgendwann gestillt wird, wenn es so weit ist. Er meinte zwar, dass es meine Entscheidung ist, aber er würde es gut finden, wenn ichs probiere. Wenn es dann nicht klappt, ich damit nicht klar komme oder anderes, ist das ja etwas anderes. Ich habe mich dann mit dem Gedanken an die Schwangerschaft auch immer weiter mit dem Thema Stillen beschäftigt, Anfangs konnte ich es mir irgendwie nicht vorstellen, dass dort ein Baby an mir "hängt" und trinkt. Ich habe aber nie ausgeschlossen, dass ichs mal probiere, denn ich denke mir immer "Man kann erst etwas beurteilen, wenn man es selbst probiert hat". Als ich dann schwanger war, wusste ich, dass ichs auf jeden Fall probieren will und hoffte sehr, dass es auch ein paar Monate klappt und ich ausreichend Milch habe. Man entwickelt sich mit der Zeit auch einfach weiter und man will nun mal einfach das Beste für sein Kind. Damit sage ich übrigens nicht, dass Formulamilch nicht das Beste fürs Kind ist - das Beste ist das, was dem Kind gut tut und wodurch es wächst. Und manche Mütter können, wollen oder dürfen nicht stillen und das sollte übrigens jeder akzeptieren! Ich finde es zum Teil unfair, von einigen Frauen, dass sie da einem so ein "schlechtes Gewissen" machen. Vor Jahren war es sogar andersrum, dass "Stillmütter" außer der Reihe gefallen sind. Es muss einfach jeder selbst entscheiden, was passt. Da darf man nicht urteilen und entsetzt sein, wenn es anders ist!
Nach der Geburt habe ich mein Kind nach ein paar Stunden direkt das erste Mal angelegt. Und ja, die ersten Tage waren sehr schmerzhaft! Es ist nun mal noch alles sehr neu und muss sich erstmal einspielen. Man darf nur nicht aufgeben, wenn man es will und genug Milch zur Verfügung hat. Ich kämpfte Teils auch wirklich mit den Schmerzen, war heilfroh über Lanolin und Mam-Kompressen und nach 1 Woche war aber alles schon super. Eigentlich waren es nach dem Milcheinschuss auch nur 2-3 Tage die wirklich "extrem" waren und wo ich am liebsten direkt wieder aufgehört hätte. Ich fand die schmerzen sogar schlimmer als die Wehen und die Geburt an sich - aber ich habe mir immer wieder gesagt "Ich ziehe das durch, ich hab genug Milch, ich ernähre mein Kind!". Und es hat sich gelohnt. Die ersten Wochen des Stillens haben noch ziemlich an meinen Kräften genagt, es laugt einfach aus und ist "anstrengend". Ich hatte viel mehr Hunger als sonst und brauchte ständig Energie. Aber nach einer Zeit war es einfach nur Gewohnheitssache - es spielt sich alles so ein und läuft seitdem wirklich super. Ich stille immer noch voll und genieße jede Sekunde davon. Die Nähe zu meiner Tochter ist einfach unglaublich schön. Ich empfinde es auch überhaupt nicht mehr als anstrengend, es ist für mich das normalste der Welt und gehört für mich dazu. Ich würde es immer wieder tun. Aber ich hatte von Anfang an die Einstellung, dass es entweder klappt oder nicht. Und wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich mich nicht verrückt gemacht und Flaschenmilch gegeben.
Ich stille übrigens auch in der Öffentlichkeit und frage mich auch da wieder zum Teil, was die Gesellschaft sich dabei denkt, das zu "verurteilen" und als "No-Go" zu sehen. Wir essen und trinken doch wohl alle unterwegs, im Café, im Restaurant, im Einkaufszentrum oder was weiß ich wo. Warum sollte es denn bitte unseren Kindern "verboten" sein? Es sind kleine Wesen, die nun mal Nahrung brauchen, wenn sie danach schreien. Sie können ihr Hungergefühl noch nicht unterdrücken oder hinauszögern - wenn das Kind Hunger hat, dann muss es schnell gehen. Ich suche mir dann meistens ein "ruhigeres" Plätzchen, gehe zum Beispiel bei uns im Einkaufszentrum in die Kinderecke, habe schon in Umkleiden, Wickelräumen (oft sind da ja netterweise Sessel), Cafés, Restaurants gestillt. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, stille ich dort. Ich habe bisher auch noch keine bösen Blicke bekommen, aber ich habe von Freundinnen gehört, dass sie so etwas erlebt haben und das finde ich wirklich unfassbar. Unfassbar traurig.
Tragetasche // 4 Flaschen (eine ist gerade im TK :P) // Calma-Sauger // Pumpe // Kühltasche mit Kühlakku // Netzteil in der Tasche // Einweg-Stilleinlagen
Mein Stillfazit bisher: Ich bin sehr froh, dass es so gut klappt und wir so ein eingespieltes Team sind. Ich freue mich, dass ich mein Kind ernähren kann und ihr somit hoffentlich viel Gutes mit auf den Weg gebe und bin schon ein bisschen "wehmütig", wenn ich daran denke, dass ich sie bald nicht mehr voll stillen werde - aber ich freue mich auf der anderen Seite auch wieder auf die Freiheit, meinen kompletten Kleiderschrank (das klingt jetzt vielleicht oberflächlich, ist es aber laut allen Mamis nicht, denn man muss nun mal immer "Stillfreundliche" Kleidung tragen und bei meinen vielen Kleidchen ist das gar nicht so leicht. Blusen, Wickeltops oder welche mit dehnbarem Material sind da an erster Stelle ;) - Ich bin ja nicht weniger Modebewusst, nur weil ich Mama bin ;)) und auch darauf, dass ich vielleicht mal ein Glas Wein oder ähnliches trinken kann. Ich trinke zwar wirklich nicht viel Alkohol und für mein Kind verzichte ich natürlich mehr als gerne, aber manchmal würde ich schon mal gerne mit den anderen 3en etwas mittrinken ;) Die alkoholfreien Varianten schmecken einfach nicht identisch ;) Außerdem ist man einfach "flexibler". Ich würde aber immer wieder stillen und ich muss sagen, dass ich die Zeit sehr genieße und als sehr, sehr schön empfinde. Und wenn ich jetzt mein kleines Mädchen so betrachte, wie sie unter ihrem Spielbogen liegt, während ich diesen Text tippe, sie so kräftig mit ihrem Spielzeug spielt, agiler wird und lacht und brabbelt, dann bin ich doch verdammt stolz darauf, dass ich dieses Kind erschaffen habe und es durch mich so gut wächst. Das ist wirklich ein unbeschreiblich, tolles Gefühl. Mutterliebe ist einfach das wunderschönste der Welt.